Hold-Up // Musik / Tanz / Theater - Projekt
hold-up
Bricolage 01 (AT)
1# Do not act!
Der Begriff »Identität« wird zu einer Fabrik, die unaufhörlich produziert.
Eine einzigartige Simulationsmaschine, die das Bild zwischen Vortäuschung und Realität verschwimmen lässt, die Grenzen sind fließend und lassen sich nicht mehr fest machen. Simulierte Wirklichkeiten werden wieder simuliert, es entsteht eine endlose Kette von Fälschungen. Durch die Simulation der Simulation finden wir hinter der Täuschung keine Wahrheit mehr - der Raum ist leer; ein Nichts schießt uns entgegen; es ist keine Gewissheit dahinter verborgen.
Der Begriff »Identität« ist allgegenwärtig: eine Idee, die alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt, ohne dass wirklich klar wäre, was sie genau bedeutet. »Wer bin ich, wer werde ich sein?«
Identität? Dieses Wort mit dem gefährlichen Doppelcharakter, das sowohl ein ökonomisch determiniertes Bewusstsein, als auch die verzweifelte Sinnsuche und Selbstfindung beschreibt. Geht es darum sich selbst zu finden? Oder erfinden wir uns täglich selbst?
Das Fiktive ist inzwischen realer, als das Reale. An diese Stelle tritt das Theater, als Ort an dem simuliertes Spiel die Wirklichkeit beschreiben soll, und zwangsläufig stellt sich die Frage, was in einer solchen Situation zu tun ist?
2# Ich ist ein anderer!
Was kann das Holz dafür, wenn es sich als Violine wiederfindet?
"Es könnte Klugheit sein, es nicht zu wissen". (Nietzsche)
Denn es geht darum, durch die Verwirrung aller Sinne im Unbekannten anzukommen, an die entlegensten Orte zu streunen, um von den Möglichkeiten des Lebens etwas zu erfahren.
Das Projekt "hold-up" konfrontiert sich mit den Fragen, wie weit wir den Gang unseres Lebens selbst bestimmen können, und wen man eigentlich meint, wenn man den Begriff "ICH" benutzt!
"Kennen Sie das auch: dass die Phantasie im entscheidenden Augenblick abirrt und eigene unbeherrschbare Wege geht, die verraten, dass man auch noch ein ganz anderer ist als der, für den man sich hielt?" (Mercier)
3# x = y
Identität ist die Verbindung von etwas Einzigartigem, was gleichzeitig mit etwas anderem identisch ist. Wir machen uns gegenseitig ähnlich und wollen doch einzigartig sein. "Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Verein beizutreten, der bereit wäre, mich als sein Mitglied zu akzeptieren." (Groucho Marx)
Der schmale Grat von Anpassung und Eigenständigkeit, Freiheit und Einschränkung, Einzigartigkeit und Ähnlichkeit, Rausch und Routine, Himmel und Hölle, Ich und der Andere. Der Zwiespalt, der sich auftut, ist universell.
Arbeitsweise
Acht Darsteller aus verschiedenen Disziplinen betreiben Forschungsarbeit, um herauszufinden ob andere Realitäten möglich sind, ob diese dann erträglicher sind, als die vorhandenen. Das, was dem Theater gegenüber anderen Medien eigen ist, nämlich der Begegnungscharakter, soll neben der Aufführungssituation auch beim Prozess des Stückes eine entscheidende Rolle spielen. Innerhalb einer festgelegten Struktur werden transformatorische Prozesse freigesetzt, die dann als Material für das Stück generiert werden.
Entstehen soll ein Geflecht auf verschiedenen gedanklichen Ebenen, das sich die Frage stellt: Was ist das eigentlich: Identität?
Diese Fragestellung, um den abstrakten Begriff "Identität", ist Ausgangspunkt für die theatrale Versuchsanordnung hold-up, bei der die Medien Musik / Tanz / Körper / Sprache gleichwertig als Artikulationsorgane fungieren.
Dieses interdisziplinäre Projekt versucht ein Thema über mehrere Sprachen (Disziplinen) zu erzählen, bei dem jeder Darsteller seine eigene Ausdrucksform finden soll. Hold-up wird so zu einem Projekt, zu einem Entwicklungsprozess mit narrativen Zügen, bei dem das Ziel nicht die Lösung der Problematik ist, sondern die aufkommenden Fragen und das genaue Beobachten der jeweiligen Situation. Keine klebrige Selbstanalyse, sondern ein genau komponierte Versuchsanordnung, die möglichst systematisch entgleiten soll.
Konzept /Regie: Hans Block
Tänzer: Elisabeth Ruhe, Manuela Gallistl, Marei Lutzer,
Felicitas Conrad
Musiker: Gregor Fuhrmann (Cello), Marcel Schmidt (Saxophon)
Schauspieler: Alexander Höchst
Sound Design und Ton: Peter Senkel

