Stille Post (SoSe 2008)
Was geschieht, wenn 11 Akteurinnen aus den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Design, Film, Fotographie, Komposition, Landschaftsarchitektur, Medienkunst, Musikvermittlung und Philosophie das unter Kindern bekannte und beliebte Spiel »Stille Post« zum künstlerischen Prinzip erheben und sich ihre "Botschaften" in Form realer Werke übermitteln? Wenn jede die von ihrer Vorgängerin empfangende Arbeit in ihre eigene Sprache oder ihr spezifisches Medium übersetzt, sie damit verändert und als »Remake« weiter zirkulieren lässt?
Ausgehend von 3 Arbeiten haben sich 11 Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen auf das Spiel der Transformation eingelassen. Jede der beteiligten Akteurinnen muss in einer festgelegten Zeit von je 14 Tagen in einer zuvor bestimmten Reihenfolge auf die drei Arbeiten in einem jeweils anderen Transformationszustand reagieren. Dabei wird streng darauf geachtet , dass keine zweimal auf die gleiche Mitspielerin antwortet und sich die größte Vielfalt an disziplinären und medialen Übersetzungen ergibt.
Zugleich wurde die Einhaltung des Stillschweigens gefordert: In dem 22 Wochen währenden Transformationszeitraum verständigten sich jeweils nur die beiden an der Übergabe Beteiligten miteinander, die übrigen erfuhren erst am Schluss von dem, was zwischen allen anderen übertragen wurde.
Wenn auf ein Musikstück mit einem theoretischen Text geantwortet wird, auf dieses Schriftstück eine Serie von Fotografien folgt, die Anstoß einer Videoarbeit wird, dann ergeben sich daraus vielfältige Verschränkungen.
Die Zwischenzustände wurden in einer Ausstellung vom 18.-25. Juni 2006 in der Neuen Galerie der Karl Hofer Gesellschaft, Oberschöneweide in Berlin publik gemacht, so dass die Besucher drei Reihen von Werken in ihrer Genealogie mit dominanten Linien, Umbrüchen oder Abzweigungen nachvollziehen konnten.
Zur Ausstellung erschien ein Katalog, der das Verfahren der künstlerischen Transformation kunsttheoretisch und kunstgeschichtlich verortet.

